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Cecilia Bartoli als Orpheus in Berlin – Glucks Oper über die Macht der Stimme

Bei den Barocktagen der Staatsoper Unter den Linden übernimmt Cecilia Bartoli die Titelrolle in Christoph Willibald Glucks Orfeo ed Euridice. Die halbszenische Aufführung mit Gianluca Capuano am Pult stellt eine der elementaren Fragen der Oper ins Zentrum: Kann Gesang den Tod überwinden?

Von der Redaktion Opernreiseführer

Cecilia Bartoli© Uli WeberDecca
Cecilia Bartoli

Mainz/Berlin - enn Orpheus in die Unterwelt hinabsteigt, um Eurydike zurückzugewinnen, bleibt ihm nur seine Stimme. Christoph Willibald Gluck formt aus dem antiken Mythos kein virtuoses Prüfungsstück, sondern ein Musikdrama, in dem Klage, Hoffnung und Verzweiflung unmittelbar hörbar werden. Bei den Barocktagen der Staatsoper Unter den Linden übernimmt Cecilia Bartoli die Titelrolle in Orfeo ed Euridice. Die halbszenische Aufführung der Parma-Fassung von 1769 ist am 12. und 14. November 2026 zu erleben.

Gluck rückte in seiner 1762 in Wien uraufgeführten Oper den dramatischen Zusammenhang von Musik, Wort und Handlung ins Zentrum. Statt den Gesang mit virtuosen Einlagen zu überladen, suchte er nach einem unmittelbaren Ausdruck der Gefühle. Orpheus’ berühmte Klage „Che farò senza Euridice“ bündelt die Trauer um die verlorene Geliebte in einer schlichten, eindringlichen Melodie. Gerade diese Klarheit verlangt eine Interpretation, die den Wechsel zwischen Hoffnung und Verzweiflung präzise gestaltet.

Bartoli singt Orpheus in der späteren Parma-Fassung von 1769. Die musikalische Leitung übernimmt Gianluca Capuano, die halbszenische Einrichtung stammt von Davide Livermore. Mit Les Musiciens du Prince – Monaco und dem Chor Il Canto di Orfeo begegnen sich historische Klangpraxis und dramatische Direktheit. Mélissa Petit übernimmt sowohl Euridice als auch Amore.

Mit Bartoli in der Titelrolle verbindet sich eine markante Sängerinnenpersönlichkeit mit einem Werk, das die Entwicklung der Oper entscheidend beeinflusst hat. Orpheus versucht nicht, die Mächte der Unterwelt mit Gewalt zu bezwingen. Er setzt auf die Wirkung seiner Musik, um die Grenze zwischen Leben und Tod zu überwinden. Doch der Rückweg ist an eine Bedingung geknüpft: Er darf Euridice nicht ansehen, bevor beide die Oberwelt erreicht haben. So wird die Macht des Gesangs zugleich zur Prüfung des Vertrauens – und der Liebe.

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