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Ein amerikanisches Herrenhaus als Schauplatz für Mozarts „Figaro“

In San Francisco trifft Mozarts Le nozze di Figaro auf die Gründungserzählung der Vereinigten Staaten. Die Inszenierung von Michael Cavanagh verlegt die Komödie in ein amerikanisches Herrenhaus zur Zeit der Staatsgründung. Vom 31. Oktober bis 29. November 2026 zeigt die San Francisco Opera die Produktion erneut – mit Sebastian Weigle am Pult und einem Ensemble, das die gesellschaftlichen Machtspiele der Oper in den Mittelpunkt rückt.

Von der Redaktion Opernreiseführer

San Francisco© Pexels
San Francisco

Mainz/San Francisco - Ein Herrenhaus im Aufbau, offene Gerüste und die Spuren einer noch unfertigen Welt: Die San Francisco Opera zeigt Mozarts Le nozze di Figaro vor dem Hintergrund der amerikanischen Staatsgründung. Michael Cavanaghs 2019 erstmals in San Francisco gezeigte Inszenierung verlegt die Handlung in die Zeit, in der die Vereinigten Staaten ihre politische Ordnung formten. So erhält die Komödie über Hochzeit, Eifersucht und Standesdünkel eine zusätzliche Dimension: Während draußen eine neue Gesellschaft entsteht, verteidigt der Graf von Almaviva im eigenen Haus seine Privilegien.

Mozarts 1786 in Wien uraufgeführte Oper basiert auf dem Schauspiel von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. Figaro und Susanna wollen heiraten, doch ihr Dienstherr versucht, Susanna für sich zu gewinnen. Gemeinsam mit der Gräfin entwickeln die beiden einen Plan, um seine Ansprüche zu durchkreuzen. Aus Verkleidungen, heimlichen Botschaften und nächtlichen Verwechslungen entsteht eine Komödie, deren Leichtigkeit eine präzise Beobachtung sozialer Machtverhältnisse verbirgt. Die Dienerschaft kennt die Schwächen der Herrschaft – und weiß sie zu nutzen.

Die amerikanische Kulisse verschärft diesen Widerspruch. Die junge Republik berief sich auf Freiheit und Gleichheit, während soziale Hierarchien fortbestanden. Erhard Roms Bühnenbild mit Gerüsten, Bauplänen und unfertigen Wänden macht daraus ein Sinnbild für eine Gesellschaft im Umbruch. Die Wiederaufnahme fällt in das Jahr des 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

Sebastian Weigle dirigiert erstmals an der San Francisco Opera. Peter Kellner singt Figaro, Slávka Zámečníková seine Verlobte Susanna. Olivia Smith übernimmt die Gräfin, Thomas Mole den Grafen und Simone McIntosh die Partie des Cherubino. Shawna Lucey verantwortet die Wiederaufnahme der Inszenierung; die Kostüme stammen von Constance Hoffman.

Mozarts Musik hält die komischen und ernsten Ebenen zusammen. In den Ensembles verdichten sich Missverständnisse zu präzise gebauten Situationen: Figuren fallen einander ins Wort, reagieren gleichzeitig und verraten mehr, als sie beabsichtigen. Das Haus wird zum Abbild einer Gesellschaft, in der niemand dauerhaft die Kontrolle behält.

Die San Francisco Opera zeigt Le nozze di Figaro vom 31. Oktober bis zum 29. November 2026 im War Memorial Opera House. Die Vorstellung am 7. November wird live übertragen.

Mozarts Komödie stellt eine Frage, die über ihre Entstehungszeit hinausweist: Wer verfügt über wen – und wie lange kann eine alte Ordnung bestehen, wenn die vermeintlich Untergeordneten längst gelernt haben, ihre Regeln zu durchschauen?

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