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Berliner Philharmoniker vor acht Jahren ohne Stammhaus: Sanierung der Philharmonie soll 1,15 Milliarden Euro kosten
Die Berliner Philharmonie muss grundlegend saniert werden. Eine Machbarkeitsstudie beziffert die Kosten für die Instandsetzung und eine mögliche Ausweichspielstätte auf insgesamt rund 1,15 Milliarden Euro. Ab 2032 könnte der Scharoun-Bau für mehrere Jahre schließen. Als Ersatzstandort rückt der ehemalige Flughafen Tempelhof in den Blick – doch Finanzierung und endgültige Standortentscheidung sind noch offen.
Mainz/Berlin - Die Berliner Philharmoniker müssen sich auf eine jahrelange Schließung ihres Stammhauses einstellen. Die 1963 eröffnete Philharmonie am Kulturforum soll voraussichtlich ab 2032 umfassend saniert werden und könnte bis 2040 geschlossen bleiben. Eine vom Orchester beauftragte Machbarkeitsstudie veranschlagt die Baukosten auf rund 800 Millionen Euro. Einschließlich einer Ausweichspielstätte summieren sich die geschätzten Gesamtkosten auf etwa 1,15 Milliarden Euro.
Der Sanierungsbedarf betrifft zentrale technische Anlagen. Brandschutz, Klimatechnik und Kabelsysteme müssen erneuert werden, auch die Sanitäranlagen bereiten erhebliche Probleme. Seit der Eröffnung hat es keine grundlegende Instandsetzung gegeben. Ohne die Arbeiten könne der reguläre Veranstaltungsbetrieb ab 2032 oder 2033 nicht mehr zuverlässig gewährleistet werden. Die Sanierung ist damit Voraussetzung für den langfristigen Weiterbetrieb des von Hans Scharoun entworfenen Konzertsaals.
Als bevorzugte Ausweichspielstätte nennt die Studie die Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Für deren Umbau zu geeigneten Konzertsälen werden rund 350 Millionen Euro angesetzt. Endgültig entschieden ist der Standort jedoch noch nicht. Auch das frühere Internationale Congress Centrum und ein möglicher Neubau wurden als Alternativen diskutiert. Neben den Kosten werden vor allem Akustik, Kapazität und Erreichbarkeit entscheidend sein.
Die Finanzierung ist bislang nicht vollständig gesichert. Berlin hat nach Angaben des Orchesters 350 Millionen Euro im Investitionshaushalt vorgesehen, der Bund bis zu 225 Millionen Euro über den Hauptstadtfinanzierungsvertrag zugesagt. Damit steht eine Grundlage von knapp 600 Millionen Euro zur Verfügung – deutlich weniger als die kalkulierten Gesamtkosten. Weitere Entscheidungen über Finanzierung und Umsetzung stehen aus.
Für die Philharmoniker ist der Konzertsaal mehr als ein Gebäude. Seine von Scharoun entwickelte Architektur und die besondere Anordnung von Bühne und Publikum prägen den Klang und die künstlerische Identität des Orchesters. Eine Ersatzspielstätte muss deshalb nicht nur genügend Platz bieten, sondern auch Bedingungen schaffen, unter denen das Ensemble seine Arbeit auf hohem Niveau fortsetzen kann.
Der Zeitplan fällt mit einem bedeutenden Jubiläum zusammen: Am 1. Mai 2032 feiern die Berliner Philharmoniker ihr 150-jähriges Bestehen. Die Generalsanierung könnte kurz danach beginnen und das Orchester für rund acht Jahre aus seinem Stammhaus verdrängen. Wie der Konzertbetrieb in dieser Zeit organisiert wird, hängt nun von den Standort- und Finanzierungsentscheidungen ab.
Die Aufgabe reicht damit über die bauliche Erneuerung hinaus. Berlin muss eines seiner markantesten Kulturgebäude für die Zukunft sichern und zugleich gewährleisten, dass eines der international renommiertesten Orchester während der langen Bauzeit weiterarbeiten kann.


