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Gnade als politische Entscheidung: Mozarts „La clemenza di Tito“ in Barcelona

Ein Herrscher wird verraten – und entscheidet sich gegen Rache. Mit Mozarts La clemenza di Tito zeigt das Gran Teatre del Liceu in Barcelona vom 25. November bis 1. Dezember 2026 eine Oper über Macht, Loyalität und Vergebung. Die Produktion von David McVicar trifft auf Jordi Savall, der mit Le Concert des Nations und der Capella Nacional de Catalunya die musikalische Leitung übernimmt.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Das Gran Teatre del Liceu in Barcelona © Premsa Liceu, Antoni Bofill
Das Gran Teatre del Liceu in Barcelona

Mainz/Barcelona - Wie reagiert ein Herrscher, wenn Menschen aus seinem engsten Umfeld seinen Sturz betreiben? In Wolfgang Amadeus Mozarts La clemenza di Tito wird diese Frage zum politischen und persönlichen Prüfstein. Das Gran Teatre del Liceu in Barcelona zeigt die Oper vom 25. November bis 1. Dezember 2026 in einer Inszenierung von David McVicar. Jordi Savall dirigiert Le Concert des Nations und die Capella Nacional de Catalunya.

Mozart komponierte das Werk 1791 innerhalb weniger Wochen für die Krönungsfeierlichkeiten Leopolds II. in Prag. Im antiken Rom angesiedelt, erzählt die Opera seria von einem Kaiser, der mit einer Verschwörung aus seinem engsten Umfeld konfrontiert wird. Sesto, sein Vertrauter, gerät zwischen die Loyalität zu Tito und seine Liebe zu Vitellia, die aus Enttäuschung und Machtstreben die Intrige vorantreibt. Aus persönlichen Bindungen entsteht eine politische Krise, die Tito vor die Wahl zwischen Vergeltung und Gnade stellt.

Die Musik spiegelt die inneren Konflikte in virtuosen Arien und dramatischen Ensembles. Besonders Sestos Zerrissenheit erhält durch weit gespannte Gesangslinien und abrupte emotionale Wendungen Ausdruck. Titos ruhige, würdevolle Musik bildet dazu einen Kontrast. Am Ende entscheidet sich der Kaiser gegen die Bestrafung der Verschwörer. Gnade wird damit nicht zum Zeichen von Schwäche, sondern zu einer bewussten politischen Handlung.

Die Titelrolle übernimmt der Tenor Jack Swanson, Karine Deshayes singt Vitellia und Marianne Crebassa den Sesto. Lina Johnson ist als Servilia zu hören, Marianne Beate Kielland als Annio und Božidar Smiljanić als Publio. Die Besetzung rückt die Beziehungen innerhalb des römischen Machtgefüges in den Mittelpunkt: Sesto ist zugleich Freund des Kaisers und Werkzeug der Verschwörung, während Vitellia ihre persönliche Kränkung in politische Ambition verwandelt.

McVicars Produktion entstand 2011 für das Festival d’Aix-en-Provence und zeichnet sich durch eine psychologisch ausgerichtete Lesart aus. Die Bühne gestalteten McVicar und Bettina Neuhaus, die Kostüme entwarf Jenny Tiramani. Im Zentrum steht weniger äußere Aktion als der Konflikt zwischen Loyalität, Abhängigkeit und persönlicher Verantwortung.

Savall, bekannt für seine Arbeit mit historischer Aufführungspraxis, leitet die Partitur mit Le Concert des Nations. Die Capella Nacional de Catalunya wird von Lluís Vilamajó vorbereitet. Mozarts Musik gewinnt dabei ihre dramatische Kraft aus dem Wechsel zwischen innerer Unruhe und musikalischer Klarheit, zwischen den Verstrickungen der Figuren und Titos Entschluss zur Nachsicht.

Die vier Vorstellungen finden am 25. und 27. November sowie am 29. November und 1. Dezember statt. Mit La clemenza di Tito stellt das Liceu eine Oper ins Zentrum, deren Schluss die Frage nach der Verantwortung politischer Macht neu stellt: Ein Herrscher beweist seine Größe nicht allein durch die Fähigkeit zu strafen, sondern auch durch die Entscheidung, darauf zu verzichten.

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